Pastor Wilfried Manneke


Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus

Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus ist ein bürgerliches Bündnis und besteht aus ca. 10 rein ehrenamtlichen, aktiven Mitgliedern und ca. 400 – 500 solidarisch erklärten „passiven“ Mitgliedern. Wir sind kein Verein weil wir uns unsere freie und unbürokratische Herangehensweise erhalten möchten. Das Netzwerk wurde nach der Besetzung des Hotel Gerhus durch Neonazis um den Anwalt  J. Rieger, von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet.

Nach der erfolgreichen Verhinderung eines Nazi-Ausbildungszentrums bei Fassberg liegt unsere Zielsetzung heute bei der Verhinderung der vielen, jährlich sich wiederholenden Nazitreffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich seit über 20 Jahren die niedersächsische und norddeutsche Neo-Nazi Elite, um Aktionen zu planen und Verbindungen zu festigen sowie „rechte Erlebniswelten“ wie z.B. Rechtsrockkonzerte für Jugendliche zu schaffen und sie so in ihren Einfluß zu bringen und für sich zu gewinnen. Die nach Außen harmlos wirkenden Veranstaltungen laufen unter dem Deckmantel „Brauchtumsveranstaltungen“.  Sonnen- und Winterwenden Feiern sowie die sog. „Erntefeste“ dienen in Wahrheit dazu traditionelle NS Ideologie zu leben und zu verbreiten.

Mit unseren Demonstrationen wollen  wir die Öffentlichkeit auf jedes dieser Treffen, aber auch möglichst alle anderen Nazi-Aktivitäten im Landkreis, aufmerksam machen und zwingen die Bürger der Gemeinde und des Landkreises, sich mit dem ThemaRechtsextremismus, auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wir klären  auf und fordern ein Ende dieser Treffen. Unsere Demonstrationen gestalten sich von Jahr zu Jahr aufwändiger und fantasievoller um mehr Bürger zum Mitmachen zu bewegen.


Aktiv für Demokratie und Toleranz

Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus erhält Auszeichnung "Aktiv für Demokratie und Toleranz"

"Aktiv für Demokratie und Toleranz" ist ein Toleranzpreis, der seit 2001 vom "Bündnis für Demokratie und Toleranz" für Projekte, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wenden, vergeben wird.  Am 25. März 2013 wurden in Oldenburg sechs Preisträger aus Niedersachsen ausgezeichnet. Darunter war auch unser Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus.

Pressemitteilung des Veranstalters:
Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus wurde 2009 von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet. Anlass war die Besetzung des Hotels Gerhus in Fassberg durch Neonazis um den Anwalt J. Rieger. Die Zielsetzung liegt nun bei der Verhinderung der vielen Nazi-Treffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich die niedersächsische und norddeutsche Neonazi-Elite, um Aktionen zu planen, Verbindungen zu festigen und "rechte Erlebniswelten" für Jugendliche zu schaffen. Die Demonstrationen des Netzwerks Südheide machen diese Treffen öffentlich und fördern den Widerstand und die Mobilisierung gegen Rechts. Darüber hinaus fördert das Netzwerk die Bildungsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen zum Thema rechtsextreme Gewalt und stellt dafür eine Ausstellungsinstallation bereit, die über die Opfer von rechter Gewalt aufklären soll. Dieses Projekt wurde mit 2.000,- € ausgezeichnet.

www.netzwerk-südheide.de


Unser Kreuz hat keine Haken

Schülerinnen interviewen Wilfried Manneke in einem Gottesdienst der Stadtkirche Celle. Der Gottesdienst wurde von 1000 Jugendlichen besucht. Thema: Unser Kreuz hat keine Haken - Gib dem Hass keine Chance.

Florence:  Wir interviewen jetzt Pastor Manneke aus Unterlüß. Er ist im Kirchenkreis Celle Beauftragter "Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus" und setzt sich schon länger gegen Rechts ein.

Doro:  Herr Manneke, im Film werden viele äußere Merkmale von Neonazis wie z.B. Bomberjacken und Springerstiefel genannt und erklärt. Gleichzeitig werden einige Einschränkungen vorgenommen. Gibt es von ihrer Seite aus dazu Ergänzungen oder möchten sie etwas anmerken.

Wilfried Manneke:  Bomberjacken und Springerstiefel tragen Neonazis zwar noch bei ihren Aufmärschen und öffentlichen Veranstaltungen, aber sonst kaum noch. Sie haben gemerkt, dass dieses Outfit viele Menschen abschreckt. Im Alltag treten sie deshalb eben nicht mehr so militärisch auf. Sie greifen aber auch nicht einfach so in die Klamottenkiste. Viele besorgen sich Kleidung von Thor Steiner, Fred Perry oder Consdaple. Das soll sicherstellen, dass sie untereinander erkennbar sind.

Es gibt ein aktuelles Buch mit Titel: Neonazis in Nadelstreifen. Die Autoren Andrea Röpke und Andreas Speit berichten darüber, welche Methoden Neonazis heute anwenden, um Mitbürger für ihre Ziele zu gewinnen.

Imke:  Wenn man sich so einen Film wie den eben anschaut, dann geht man nicht gerade davon aus, dass man mit einem Nazi Tür an Tür wohnt. Das scheint eher (weit) entfernt zu sein. Wo sind denn in Celle rechtsextreme Brennpunkte zu finden?

Wilfried Manneke:  Es gibt hier die Gruppe „Freie Kräfte Celle“. Diese Gruppe nannte sich bis vor zweieinhalb Jahren noch „Kameradschaft 73 Celle“, in Anlehnung an eine  frühere SS-Standarte. Einen eigenen Bezug zur SS herzustellen, schafft natürlich nicht nicht nur Freunde. Das hat die Gruppe erkannt und sich in „Freie Kräfte“ umbenannt. Ihre politische Ausrichtung hat sich dadurch natürlich nicht geändert: Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Antipluralismus – das sind weiterhin ihre Kennzeichen.
In Celle treten sie mehrmals im Jahr mit Infoständen in Erscheinung. Sie beteiligen sich auch an Neonazi-Aufmärschen, wie z.B. jedes Jahr im August in Bad Nenndorf. Sie haben auch selber schon Aufmärsche hier in Celle organisiert.
Sie sind auch mitverantwortlich für die immer wieder stattfindenden Neonazi-Treffen auf dem Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz in Eschede. Kenner der Szene meinen, dass es die größten Zusammenkünfte von Neonazis im norddeutschen Raum sind.

Florence:
 Wie versuchen Neonazis die Jugendlichen anzusprechen?

Wilfried Manneke:
 Viel läuft über Musik. Gerade weil Musik eine starke emotionale Wirkung hat, nutzen Neonazis Musik, um junge Menschen anzusprechen. Ihre Musikrichtungen unterscheiden sich nicht von anderer Musik. Die Texte machen aber den Unterschied. Es sind häufig sehr menschenverachtende und hasserfüllte Texte. Leider sind diese Texte für manche Jugendlichen sehr verführerisch. Hier ein Textbeispiel aus Lied "Belsen" der Gruppe Kommando Freisler "Geheime Reichssache:

"In Belsen, in Belsen, da hängen sie an den Hälsen ...
In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt ...
In Auschwitz weiß ein jedes Kind, dass Juden nur zum Heizen sind ...
Der Rabbi, dieses alte Schwein, der kommt dann in den Ofen rein."

Was für ein furchtbarer Text !!!

Weil Werbung durch Musik so verführerisch ist, verteilen Neonazis kostenlos Schulhof-CDs mit rechtsextremen Inhalten, auch in Celle. Vor folgenden Schule sind bereits solche CDs verteilt worden:

  • Hermann-Billung-Gymnasium
  • Schulen in der Burgstraße
  • Berufsschulzentrum Altenhagen

Doro:  Warum haben rechte Gruppierungen heute immer noch so viel Zuwachs?

Wilfried Manneke:
  Neonazis treten gerne als Kümmerer auf. So sammeln sie die Entmutigten und Perspektivlosen. Es sind meistens Jugendliche, die keine Lehrstelle bekommen haben, die um ihren Arbeitsplatz bangen oder für Hungerlöhne schuften müssen. Ihnen versprechen die heutigen Nazis Unterstützung, z.B. indem sie fordern: „Ausländer raus!“
Diese Forderung ist aber keine Lösung. Diese Forderung ist nichts anderes als eine menschenverachtende Kampfansage.  Deshalb müssen wir ihre Angriffe abwehren – in den Parlamenten, auf den Straßen, in den Schulen, Betrieben und Kasernen.  Die Rechtsextremen gewinnen, wenn wir ihnen tatenlos zusehen.  Sie gewinnen, wenn wir uns nur empört abwenden, statt ihnen entgegenzutreten.
Neonazis sind heute eben in vielen Bereichen aktiv. Sie versuchen in den Sportvereinen, junge Leute gewinnen. Sie laden zu Abenteuern ein. Sie versprechen eine schützende Gemeinschaft. Leider haben sie damit immer wieder Erfolg.

Imke:  Zum Schluss bleibt noch eine Sache, die wir noch wissen wollen: Was kann ich selbst gegen Rechtsextremismus tun?

Wilfried Manneke:  
Wachsam sein! Was tut sich in meinem Umfeld? Höre ich da etwa fremdenfeindliche oder sogar rassistische Äußerungen? Wie wird über Behinderte gesprochen? Wie wird über den Holocaust geredet? Werden die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost?
Wenn ich merke, dass sich da etwas anbahnt, sollte man es sofort thematisieren, andere darauf aufmerksam machen und mit den Lehrern darüber reden.
Es gibt in Celle und Umgebung auch vier Initiativen gegen Rechtsextremismus. Bezieht sie mit ein, denn gemeinsam sind wir stark.